XX. Olympische Sommerspiele: Sport und Atmosphäre in München

Impressionen vom Sport und der Atmosphäre bei Olympia 1972 in München - Bild: Horstmüller

Schneller, höher, heiter

62.000 Besucherinnen und Besucher fanden sich zur Eröffnungsfeier der Münchner Spiele am 26. August 1972 im nagelneuen Olympiastadion ein. Nach dem Einzug der Nationen warteten alle gespannt auf das Highlight der von Stadionsprecher Joachim Fuchsberger moderierten Zeremonie: Die Entzündung des olympischen Feuers. Diese ehrenvolle Aufage wurde Nachwuchsläufer Günter Zahn zuteil, der die Fackel als Schlussläufer von 6.000 Fackelläufern ins Stadion trug und schließlich das Feuer entzündete.

 

In den folgenden zwei Wochen kämpften 7.170 Athletinnen und Athleten aus 121 Nationen in 195 Wettbewerben um Gold, Silber und Bronze. Getreu dem olympischen Motto "Schneller, höher, weiter" gab es für Millionen vor den Bildschirmen und in den Wettkampftstätten zahlreiche sportliche Höchstleistungen zu bestaunen. Der Schnellste im olympischen Schwimmbecken war Mark Spitz. Mit sieben Weltrekorden und sieben (!) Goldmedaillien avancierte der US-Schwimmer zum herausragenden Sportler der Spiele. So hoch wie keine Frau zuvor sprang die erst 16-jährige bundesdeutsche Hochspringerin Ulrike Meyfarth: 1,92 Meter, Weltrekord, Gold. Den Speer schleuderte Klaus Wolfermann am weitesten, Heide Rosendahl wurde mit Gold im Weitsprung und mit der 4x100-Meter-Staffel gar Doppel-Olympiasiegerin. Trotz dieser besonderen Glanzpunkte in der Leichtathletik muss sich die Olympiamannschaft der Bundesrepublik im Medaillienspiegel am Ende mit Platz 4, unmittelbar hinter der DDR, begnügen. Für die SED-Führung ein großer politisierter Prestigeerfolg über den "Klassenfeind". Die erfolgreichste Mannschaft wurde die Sowjetunion vor den Vereinigten Staaten.

 

Mit der Entzündung der Flamme sprang der olympische Funke endgültig auf die Münchnerinnen und Münchner über. In der ganzen Landeshauptstadt herrschte eine nie dagewesene Euphorie und Aufbruchstimmung. München präsentierte sich als großartiger weltoffener Gastgeber für seine mehr als vier Millionen Besucherinnen und Besucher. Das bis dato einzigartige Konzept für München 1972 ermöglichte Begegnungen zwischen Einheimischen, Gästen und Sportlern aus aller Welt. So lernen sich hier der damalige schwedische Kronprinz Carl Gustaf und eine 29-jährige Heidelberger Hostess kennen. Jahre später heiraten die beiden, aus Silvia Sommerlath aus Heidelberg wird Königin Silvia von Schweden.


Für eine Woche war der Münchner Traum von den "heiteren Spielen" Wirklichkeit. Am 5. September 1972 sollte der Traum zum Albtraum werden.