Bewerbung und Vorbereitungen für Olympia

Bilder von den Vorbereitungen für Olympia 1972 - Bild: Aldiami/Herbert Michalke

München putzt sich raus: Vom Millionendorf zur Metropole

Die Idee zur Bewerbung Münchens als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1972 des damaligen NOK-Präsidenten Willi Daume stieß schnell auf große Begeisterung bei Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und breite öffentliche Unterstützung. Von Anfang an war die Bewerbung auch politisch motiviert: Man begriff die Spiele als Chance München zu modernisieren und Deutschland über 20 Jahre nach Kriegsende international als demokratisch gefestigtes, weltoffenes Land zu präsentieren. München 1972 sollte der Gegenentwurf zum nationalsozialistischen Propagandaspektatel von Berlin 1936 werden. Am 31. Dezember 1965 reichte München seine offizielle Bewerbung beim IOC ein.

 

Mit dem Zuschlag für die Ausrichtung der XX. Olympischen Spiele am 26. April 1966 begannen in der bayerischen Landeshauptstadt sechs Jahre massiver Veränderungen in der Infrastruktur und im Stadtbild, die durchweg dem Ansatz der Nachhaltigkeit folgen sollten. Die Vergabe beschleunigte die Realisierung der bereits bestehenden Pläne für den Bau der Münchner U-Bahn und S-Bahn. Pünktlich zu den Spielen wurden die U6 und die damalige "Olympialinie" U3 fertiggestellt. Im Mai 1972 wurde die Münchner S-Bahn mit über 360 Gleiskilometern eröffnet. Parallel zur Erschließung des Untergrunds veränderte sich auch das überirdische Gesicht der Stadt: Zwischen Marienplatz und Stachus wurde die Fußgängerzone geschaffen, der Bau des Mittleren Ring rechtzeitig abgeschlossen. Auch BMW drückte nach der Vergabe aufs Tempo und stellte zu den Spielen sein futuristisches Vierzylinder-Hochaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Olympiagelände optisch fertig.

 

Als Konzept für den Bau des zentralen Olympiageländes mit Sportstätten und Athletenunterkünften wurde das Motto "Olympische Spiele im Grünen" und der Standort Oberwiesenfeld vom Stadtrat auserkoren. Auf dem einst flachen Oberwiesenfeld war in der Nachkriegszeit eine weitgehend brache Hügellandschaft aus 10.000.000 Kubikmeter Kriegsschutt gewachsen. Ein durchaus symbolträchtiger Standort. Das visionäre architektonische Gesamtkonzept für die Wettkampfstätten und umliegenden Grünanalgen wurde vom Architektenbüro um Günter Behnisch und Partner entworfen, die Landschaftsgestaltung des Olympiaparks oblag Landschaftsarchitekt Günther Grzimek. Das Zentrum des Geländes wurde das in den grünen Hügeln versenkte Olympiastadion mit Kapazität für 77.000 Zuschauer. Stadion, Olympiahalle und Olympa-Schwimmhalle wurden überspannt und verbunden mit der revolutionären und heute ikonischen Zeltdach-Konstruktion von Behnisch & Partner und Frei Otto. Als "Stadt in der Stadt" entstand in brutalistisch anmutender Betonarchitektur das Olympische Dorf für die Sportlerinnen und Sportler. Der bereits stehende Fernsehturm wurde als Olympiaturm in das Ensemble integriert. Knapp zwei Milliarden D-Mark kosteten die Baumaßnahmen für die Olympischen Spiele in München. Eine Investition in die Zukunft, denn ohne die charakteristschen und auch heute noch genutzten Bauten wäre das moderne München undenkbar.  

 

Komplementiert wurde das visuelle Gesamtkonzept der Spiele in München vom Gestaltungsbeauftragten Otl Aicher, der das "Corporate Design" mit den Regenbogen-Farben (allerdings ohne Rot), Uniformen, Plakate und Logo für die Spiele entwarf. Seine für München 1972 entwickelten, radikal vereinfachten Piktogramme wurden zum universalen, internationalen Designklassiker. Maskottchen wurde ein buchstäblich bunter Hund namens "Waldi": Ein Dackel, der in München und Bayern als beliebtes Haustier gilt, in Aichers Farben.