Die Staatsgründungen in West und Ost

Deutsche Teilung. Die Staatsgründungen in West und Ost (Bild. SZ Photo, ID 00103454)

Deutsche Teilung

Drei Jahre nach Kriegsende begann auf Schloss Herrenchiemsee die Beratung über eine Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland. Im Parlamentarischen Rat, in dem sie beschlossen wurde, saßen bereits die späteren Entscheidungsträger, die die ersten Jahre des westdeutschen Staates auf so maßgebliche Weise prägten. Theodor Heuss etwa, der erste Bundespräsident, oder Konrad Adenauer, der das Grundgesetz am 23. Mai 1949 signierte und nach den ersten freien Wahlen seit 1933 zum Bundeskanzler gewählt wurde. Vollends souverän wurde der Staat in diesem Prozess nicht, fanden doch alle wichtigen Schritte zum demokratischen Neuanfang unter den wachsamen Augen der alliierten Militärgouverneure statt. Als am 7. Oktober desselben Jahres der Deutsche Volksrat in der SBZ nachzog und mit der Verabschiedung seiner Verfassung die Gründung der DDR feierte, demonstrierten West-Berliner für freie Wahlen auch im östlichen Sektor der Stadt. Doch genauso zielstrebig wie die Adenauer-Administration in den nächsten Jahren die Westintegration vorantreiben sollte, so konsequent orientierte sich die DDR gen Osten: Zwei deutsche Staaten waren entstanden, die sich gegenseitig nicht anerkannten und jeweils den Anspruch formulierten, das gesamtdeutsche Erbe zu vertreten.